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Nördlich der Alpen waren die Zentren des Manierismus Haarlem und Utrecht in den Niederlanden sowie Prag, das damals unter der Regentschaft der Habsburger zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Die Bilder 14 bis 23 sind Beispiele für den Haarlemer und Utrechter Manierismus. Der Prager Manierismus wird auf der übernächsten Seite vorgestellt. Bild 14: Maarten van Heemskerck (1498-1574), Triumphzug des Bacchus, 1536-1537; Haarlem Öl auf Eichenholz, 56,3 x 106,5 cm; Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie Bacchus, der antike Gott des Weines, kehrt im Triumphzug von Indien nach Griechenland zurück: Die dunkelhäutigen Begleiter deuten dies an. Dargestellt sind die Ausschweifungen der antiken heidnischen Götter, wie sie auf Festen des Bacchus üblich waren. Der vom römischen Manierismus angeregte Figurenstil van Heemskercks findet in diesem Bild, das wohl unmittelbar nach dessen Rom-Aufenthalt entstand, seinen vorläufigen Höhepunkt. Das Tolle, Humorvolle und Derb-Drastische vereinigt sich in diesem Bacchus-Zug mit antiker, wie glatt-polierter Nacktheit zu einer Wunsch-Phantasie des humanistisch gebildeten 16. Jahrhunderts. (7) Bild 15: Maarten van Heemskerck (1498-1574), Momus tadelt die Werke der Götter, 1561; Haarlem Öl auf Eichenholz, 120 x 174 cm; Berlin, Gemäldegalerie Das Gemälde Momus tadelt die Werke der Götter ist eines der besten Beispiele für den Manierismus. Es werden verschiedene Landschaften zusammengefügt: Der Hintergrund erinnert mit Gebäuden, Obelisken, Statuen und Fontänen an einen Renaissancegarten; der Vordergrund ist mehr rustikal gestaltet mit einer Wiese, auf der Blumen und Kräuter ungeordnet wachsen. Die Protagonisten sind groß im Vordergrund gruppiert und vermitteln dem Betrachter eine Geschichte aus der griechischen Mythologie. Momus (oder Momos) - ganz rechts im Bild - ist der Gott der Satire, des Spotts und der Kritik. Eine Bildbeschreibung aus dem Jahre 1790 erläutert dazu folgendes: Nichts konnte dem Tadel des Momus entgehn; selbst die Werke der Götter blieben nicht verschont. Doch entschloss sich Minerva, Neptun und Vulkan, ihre Werke seinem Urtheile auszusetzen. Minerva [ in ein gotisches Gewand gehüllt ] zeigt ihm ein Gebäude, nach allen Regeln der Baukunst ausgeführt; Momus tadelt daran das: Wenn man einen bösen Nachbarn hätte, so könnte man es nicht von der Stelle rücken. Neptun [ ganz links im Bild, erkennbar an dem Dreizack ] zeigt ihm sein Meisterstück, ein schönes wieherndes Pferd; Momus lacht ihn aber aus, dass er dem Pferde seine Vertheidigung in die Hinterfüße gelegt, da es doch die Augen im Kopf habe, und also nicht sehen könnte, wo es hinschlüge. Nun kam die Reihe ein schönes Mädchen zu beurtheilen, welches das Werk des Vulkans [in der Bildmitte - auf einen Hammer gestützt und neben einer Feuerzange] war, und das er nach seiner schönen Ehegattin [Venus] modellirt hatte. Momus fand zwar keine Mängel, doch sagte er, daß Vulkan vergessen habe, ein Fenster am Herzen anzubringen, damit man sehn könnte, wenn sie wahr redete. (8) Bild 16: Pieter Aertsen (1509- 1575), Speisekammer mit Maria Almosen verteilend, 1551; Utrecht Öl auf Holz, 124 x 169 cm; Uppsala, Museum Gustavianum Vielfalt und zugleich exemplarische Auswahl kennzeichnen die Motivgruppe im Vordergrund. Teils gelagert, teils aufgehängt, drängen sich Schweinskopf und Schweinshälfte, Pansen und Keule, Butter, Bücklinge und totes, ungerupftes Federvieh. Eine fantastische Holzkonstruktion birgt das Stillleben, halb Verkaufsstand, halb Speise- oder Vorratskammer. Das Arrangement lässt Durchblicke, in den Mittel- und Hintergrund frei. Rechts, am Brunnen im Hof, gießt ein Mann, wohl ein Schlachter, Wasser aus dem Schöpfeimer in eine große Tonkanne. Muscheln liegen am Boden. In der Kate dahinter hängt, wie an einem Galgen aufgespannt, der geöffnete Riesenkörper des frisch geschlachteten Ochsen; unmittelbar dahinter lärmt eine lockere Wirtshausgesellschaft. Von der Schenke getrennt, links der Mitte, bewegt sich in einer Landschaft eine Gruppe Menschen wie ein Pilgerzug in Richtung auf die große Kirche am Bildrand zu. Die vorderen Figuren sollen die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten darstellen. Die Szene ist mit einem Motiv christlicher Nächstenliebe verbunden: Maria verteilt Almosen. (9) Bild 17: Pieter Aertsen (1508 - 1575), Marktfrau mit Gemüsestand 1567; Utrecht Öl auf Holz 110 x 110 cm; Berlin, Gemäldegalerie Die Bilder des 1508 in Amsterdam geborenen Pieter Aertsen waren Ausgangspunkt der neuen Gattung Stillleben. Bild 18: Hendrick Goltzius (1558-1617), Jupiter und Antiope, 1612; Haarlem Öl auf Leinwand, 122 x 178 cm; derzeitiger Standort unbekannt Als eines der wenigen malerischen Werke Goltzius’, der vor allem als Grafiker hervortrat und erst in fortgeschrittenem Alter auch zum Pinsel griff, ist das großformatige Gemälde Jupiter und Antiope aus dem Jahr 1612 eines seiner Hauptwerke und zugleich ein exemplarisches Produkt des Manierismus. Zugrunde liegt der kraftvollen Darstellung einer entkleideten, sich auf Kissen räkelnden Frau und eines sich anschleichenden Satyrn eine der zahllosen mythologischen Verführungsgeschichten um den Gott Zeus. Das Gemälde wurde im vergangenen Jahr [2010] aus dem Frans Hals Museum in Haarlem an die Erben des jüdischen Spielzeugfabrikanten Abraham Adelsberger zurückgegeben. Von 1941 bis 1945 hing es in Hermann Görings Residenz Karinhall. (10) Das Gemälde wurde Ende 2010 von Sotheby’s in New York versteigert. Bild 19: Hendrick Goltzius (1558-1617), Vertumnus und Pomona, 1613; Haarlem Öl auf Holz, 90 x 149,5 cm; Amsterdam, Rijksmuseum Geschichte zum Bild nach Ovids Metamorphosen Vertumnus, der Gott der Jahreszeiten verliebte sich in Pomona, die Göttin der Gartenfrüchte. Diese wies, so Ovid, die Liebe des Vertumnus zurück. Vertumnus veränderte daher mehrfach sein Aussehen (Bauer, Winzer, Fischer, Soldat usw.) und verkleidete sich zuletzt als alte Frau. Unerkannt brachte er sein Anliegen erneut vor und konnte so die Liebe Pomonas gewinnen. Ihrer Zuneigung sicher, verwandelt sich Vertumnus wieder in einen Jüngling. Bild 20: Karel van Mander (1548-1606), Liebesgarten, 1602; Haarlem Öl auf Leinwand, 45 x 70 cm; St. Petersburg, Eremitage Typisch manieristisch: Das Gemälde zeigt gewundene Figuren mit überlangen Armen und Beinen. Die Farbgebung ist außergewöhnlich. Bild 21: Abraham Bloemaert (1566-1651), Landschaft mit dem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (1624); Utrecht Öl auf Leinwand 100 x 133 cm; Baltimore, Walters Art Museum Bloemaert übte einen großen Einfluss auf die holländische Malerei aus. Er kultivierte die Historie, das Porträt, das Genre und die Landschaft. Die Farben des Bildes und die verdrehten Figuren im Vordergrund erinnern noch an die Manieristen des 16. Jahrhunderts. Bild 22: Joachim Anthonisz. Wtewael (1566-1638), Küchenszene mit dem Gleichnis vom großen Gastmahl, 1605; Utrecht Öl auf Leinwand 65 x 98 cm; Berlin, Gemäldegalerie Der Sohn des Glasmalers Anthonis Wtewael verbrachte den Großteil seines Lebens in Utrecht. Er arbeitete bis zu seinem 18. Lebensjahr als Glasmaler bei seinem Vater und trat dann für zwei Jahre in die Werkstatt des Malers Joos de Beer (gestorben vor 1595) ein. Im Anschluss ging er zunächst für zwei Jahre nach Padua und danach für weitere zwei Jahre nach Frankreich. Nach seiner Rückkehr nach Utrecht wurde er zu einem der führenden niederländischen Vertreter des nördlichen Manierismus. Bild 22 zeigt wie für einen wohlhabenden Mann ein großes Gastmahl vorbereitet wird, während im Hintergrund rechts bereits die Tafelrunde Platz nimmt. Die vorsätzlich verdrehten Posen der Figuren im Vordergrund sind typisch manieristisch. Bild 23: Cornelis van Haarlem (1562-1638), Die Hochzeit von Peleus und Thetis, 1592-1593 Öl auf Leinwand, 246 x 419 cm; Haarlem, Frans Hals Museum Der in Haarlem geborene Cornelis Corneliszoon war Mitglied der manieristischen Schule von Haarlem, die durch die Arbeit von Bartholomeus Spranger stark beeinflusst war. Von ihm sind vor allem Porträts sowie Gemälde mit mythologischen und biblischen Themen bekannt. Seine Werke sind hoch stilisiert. Nackte Figuren sind in verdrehten Posen mit überlangen Gliedmaßen und Fingern dargestellt. Zusammen mit Karel van Mander, Hendrick Goltzius und anderen Künstlern gründete er die Haarlem Akademie (Haarlemer Manieristen). ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Nordalpiner Manierismus Der Manierismus, eine europäische Kunstbewegung, erläutert an Beispielen aus der Malerei 5. Nordalpiner Manierismus ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() 6. Gemälde Pieter Bruegels, des älteren Nach oben zum Seitenanfang 4. Das Thema "Susanna im Bade" |